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CBAM und die Türkei: Fahrplan für Unternehmen bis 2026

Der CBAM-Mechanismus der EU verändert die globalen Handelsbedingungen, indem er Produkte mit hoher CO₂-Intensität reguliert und transparente Emissionsdaten verlangt.
02.12.2025

Der von der Europäischen Union eingeführte Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) verändert die globalen Handelsstrukturen grundlegend. Ziel dieser Regelung ist es nicht nur, die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller innerhalb der EU zu schützen, sondern auch die Verlagerung emissionsintensiver Produktion in Drittländer zu verhindern und weltweit kohlenstoffarme Produktionsweisen zu fördern. Daher betrifft CBAM nicht nur EU-Mitgliedstaaten, sondern auch alle Länder mit enger Handelsbeziehung zur EU – darunter insbesondere Unternehmen mit Sitz in der Türkei.


CBAM-Anwendungsbereich und Auswirkungen

In der ersten Phase erfasst CBAM vor allem emissionsintensive Produkte wie Stahl und Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff. Diese Sektoren weisen aufgrund energieintensiver Prozesse hohe Treibhausgasemissionen auf und stehen daher im Mittelpunkt der Regulierung. Besonders betroffen sind türkische Unternehmen, die in der Metallindustrie, Bauzulieferung, Grundstoffproduktion oder Energietechnik tätig sind und Waren in die EU exportieren oder importieren.

Die Umsetzung erfolgt in zwei Stufen: Seit dem 1. Oktober 2023 läuft die Übergangsphase bis Ende 2025. Während dieser Phase entstehen noch keine finanziellen Verpflichtungen, jedoch müssen eingebettete Emissionen gemeldeter Waren korrekt und nachvollziehbar dokumentiert werden. Ab 2026 tritt CBAM vollständig in Kraft – einschließlich des Erwerbs von CBAM-Zertifikaten und finanzieller Abgaben, basierend auf dem CO₂-Gehalt der importierten Produkte.


Risiken und Verpflichtungen für Unternehmen in der Türkei

Für Unternehmen in der Türkei ist CBAM nicht nur eine Exportfrage. Die Verordnung beeinflusst ebenso Lieferketten, Compliance-Strukturen, Produktionsprozesse und strategische Geschäftsentscheidungen. Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr „Betrifft CBAM mein Unternehmen?“, sondern „Wie bereite ich mich rechtzeitig auf CBAM vor?“.

Wesentliche Schwerpunkte sind: die Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks, die Qualität und Nachvollziehbarkeit von Lieferkettendaten sowie der Aufbau einer digitalisierten Nachhaltigkeits- und Berichtsinfrastruktur. In vielen Unternehmen werden Daten noch manuell verarbeitet und sind weder standardisiert noch durchgehend verfügbar. Diese Situation erschwert die Umsetzung und erhöht langfristig den Aufwand.


Rolle von Daten, Digitalisierung und Carbon-Management-Tools

Nachprüfbare und konsistente Emissionsdaten bilden die Grundlage für CBAM-Konformität. Daher müssen Unternehmen sowohl die eigenen Produktionsprozesse als auch vorgelagerte Emissionen von Lieferanten erfassen und in ein belastbares Emissionsinventar überführen.

Digitale Lösungen gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen in der Türkei evaluieren Softwarelösungen wie CO2 Manager als strukturierte Antwort auf den Regulierungsdruck. Werkzeuge dieser Art unterstützen eine systematisierte Berichterstattung, verbessern die Datenqualität und ermöglichen ein kontinuierliches Monitoring von Emissionsreduktionsmaßnahmen. Damit wird ein digitaler Ansatz nicht nur effizienter, sondern zukünftig notwendig, um CBAM-Anforderungen prüfbar erfüllen zu können.

CBAM ist daher nicht allein als regulatorische Verpflichtung zu verstehen, sondern als Indikator dafür, dass Lieferkettentransparenz, nachhaltige Produktion und validierte Emissionsdaten zum neuen Standard im globalen Handel werden.


Praktischer Einstieg für Unternehmen

Auch wenn CBAM komplex erscheint, können erste Vorbereitungen pragmatisch beginnen. Wesentliche Schritte zu Beginn sind: eine Übersicht über CBAM-relevante Produkte zu erstellen, internes Bewusstsein für regulatorische Anforderungen zu schaffen und systematisch Emissionsdaten von Lieferanten einzufordern. Diese Grundlagen erleichtern die Berichterstattung während der Übergangsphase und unterstützen den Aufbau eines langfristigen, datenbasierten Carbon-Management-Ansatzes.


Schlussfolgerung: Compliance als strategischer Transformationsprozess

CBAM ist mehr als ein neues Abgabensystem oder eine zusätzliche Berichtspflicht. Es signalisiert eine beschleunigte Transformation hin zu klimaverträglichen Geschäftsmodellen. Für Unternehmen in der Türkei bedeutet dies, CBAM nicht nur als regulatorisches Muss zu betrachten, sondern als Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Markt nachhaltig zu sichern.

Eine vorausschauende Vorbereitung, der Aufbau einer belastbaren Datenbasis und der Einsatz digitaler Carbon-Management-Werkzeuge sind entscheidend. Frühzeitige Maßnahmen werden nicht nur finanzielle Risiken ab 2026 reduzieren, sondern auch die Position türkischer Unternehmen im europäischen Markt stärken.
 



Quelle

European Commission – Official CBAM Framework